Die Geschichte des Leders
Die Nutzung tierischer Häute und Felle reicht weit in die Frühgeschichte der Menschheit zurück.
Bereits die Neandertaler erkannten unter dem Einfluß der Eiszeit, daß es sehr zweckmäßig war, die Körperhülle einer Jagdbeute zu nutzen. Sie eignete sich ausgezeichnet sowohl als Bespannung und Auspolsterung seiner Behausung wie auch als schützende und wärmende Bekleidung. An diesem Prinzip hat sich bis heute nur wenig geändert. Nach wie vor ist die Haut neben Milch, Fleisch und Wolle das wertvollste Folgeprodukt unserer zum Haustier gewordenen Jagdbeute.
Die ersten steinzeitlichen Verfahren zur Halt- und Nutzbarmachung der Häute und Felle waren das Trocknen oder Räuchern am Feuer und das Kauen. Letztere Methode wird noch heute von einigen Eskimo-Stämmen angewandt. Später lernte der Mensch , daß eine Haut haltbarer wird, wenn man Fette einwalkt oder man sie in Brühe legt, die mit Pflanzenfaserteilen versetzt sind.
So war im Mittelmeerraum schon vor der Bronzezeit die gerbende Wirkung von Eichenrinde, Fetten und Alaun (Aluminiumsalz) bekannt. Erste Beweise pflanzlicher Gerbung fand man in ägyptischen Grabkammern, die auf etwa 2500 vor Christus datiert sind.
Im Museum von Boston befindet sich ein rund 3000 Jahre alter Zeremonienmantel aus gegerbter Gazellenhaut. Das früheste uns überleiferte Gerbrezept findet man auf einer babylonischen Steintafel aus der Zeit um 720 vor Christus. Im zweiten Buch Moses wird ein Zelt beschrieben, das mit eingefärbten Widderfellen bedeckt war. In Antike und Mittelalter entwickelte sich die Gerbung zum richtigen Handwerksberuf. Die Regel war eine über Monate dauernde Grubengerbung mit Pflanzensuden, den Lohen, in denen die zu gerbenden Häute und Felle mindesten sechs- bis siebenmal umgeschichtet werden mußten. Die Gerbbrühen bestanden aus Eichen- oder Fichtenrinde und Wasser, das die gerbenden Faserstoffe aus der Rinde laugte. Es gibt heute noch rund 300 verschiedene pflanzliche Gerbmöglichkeiten auf der Welt.
Wesentliche Fortschritte auf dem Gebiet der Lederherstellung wurden erst wieder in jüngerer Geschichte durch den überseeischen Handel und die industrielle Entwicklung erzielt. Anfang des 19. Jahrhunderts begann die Wissenschaft sich verstärkt und intensiv mit der Gerbung zu befassen. Bahnbrechend war im Jahre 1858 die Entdeckung der gerbenden Wirkung von Chromsalzen. Damit war das Zeitalter der rationellen Mineralgerbung geboren. Das Verfahren erlaubte die Lederherstellung in wesentlich kürzerer Zeit und sorgte gleichzeitig für ein Leder, das weicher und gebrauchstüchtiger war. Die Gerbung mit mineralischen Chromsalzen ist bis heute die Grundlage der modernen Leder-Erzeugung geblieben. Daneben hat aber auch die Gerbung mit pflanzlichen Substanzen sowie Fetten und Ölen nach wie vor Bedeutung.
Modische Aspekte wurden immer wichtiger. Mode ist heute ohne Leder nicht mehr vorstellbar. Deshalb sind Schuhe, Möbel, Lederwaren und Bekleidung neben ihrer Funktionalität gleichzeitig Produkte kleidsamer und wohnlicher Schönheit und Lebensqualität.
Damit ist der Weg des Leders vorgezeichnet, denn auch in Zukunft wird dieses vielseitige Naturmaterial sicherlich Geschichte machen.
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stellung von heute und die besondere Welt des Möbelleders in zwei Kurzgeschichten.